Dienstag, 24. Juli 2007

Coober Pedy, ein Traum in staubig

Den Preis für die wohl ungastlichsten, unwirklichsten und mit Abstand trostlosesten Haufen Stadtstaub würden wir ohne zu zögern gerne an Coober Pedy vergeben!

Unterirdisch ist es dort wirklich nicht nur in den Höhlenwohnungen. Coober Pedy ist der Flecken Erde mitten in der kahlen, südaustralischen Wüste, wo sich alles um den Opalabbau dreht. Überall suchen kleine und große Mienenunternehmen oder auch Einzelpersonen den großen Ruhm in langen Schächten die sie auch direkt neben der Straße graben (darum wird im Gebiet von Coober Pedy auch mit Straßenschildern vorm Rückwärtsgehen gewarnt – sind überall metertiefe Löcher). Und weil die Tagestemperaturen im Wüstensommer nicht zu ertragen wären, liegen auch die meisten Wohnräume unterirdisch und ohne Fenster. Die Menschen dort sind auch ein ganz besonderer Schlag, unaustralisch unhöflich, mundfaul und mürrisch. Ein wirklich garstiger Platz!

In den Achtzigern wurde die Mad Max-Trilogie dort gedreht und ganz ehrlich – so sieht`s dort noch immer aus! Die Kulissen haben sich wunderbar ins Stadtbild eingepasst und einen ganz neuen Baustil kreiert. Man kann`s wirklich erst glauben wenn man`s gesehen hat. Ein ganz skurriler Ort. Aber das macht ihn ja auch so interessant...

Und genau an diesem Horror-Fleck Erde mussten wir leider mal wieder einen Automechaniker um Rat befragen. Licht ging zwar nun überall super aber da war „so ein Geräusch“ was wir bislang zwar standhaft ignoriert hatten, aber nun bei bestem Willen nicht mehr überhören konnten. Und vor der langen Etappe mitten durch die Australische Wüste wollten wir doch lieber noch einmal auf Nummer sicher gehen. Einem Mechaniker hatten wir schnell gefunden.
Auch er wäre ein guter Mad Max-Charakter gewesen, kurzer dicker Typ um die Fünfzig, lotterig, Wollmütze trotz Hitze, fette Alknase, an der sich alle kleinen Adern zu einer dicken Schlagader auf der Nasenmitte zusammengeschlossen hatten und er hat uns die ganze Zeit angeschrieen und wüst beschimpft. Welches Problem er hatte, haben wir nicht erfahren - aber das Problem unseres Autos hat er zum Glück trotz seines offensichtlich fortgeschrittenen Wahnsinns erkennen können.
Ein Riemen hatte sich irgendwie verhakt und hat dann zunehmend gequietscht. Der Wutgnom hat den Riemen einfach rausgeschnitten, dafür seinen Stundenlohn abkassiert und damit war das Problem gelöst. Easy!

Viel interessanter war aber wofür dieser verkantete Riemen eigentlich zuständig gewesen ist… für unsere Klimaanlage! Sorry…KLIMAANLAGE??? Haben wir so was?
Jupp, haben wir wohl. Müssen wir halt nur nen neuen Riemen kaufen (hatte Wutgnom nicht da) und dann wird die Luft auf Knopfdruck kalt. Von ner Klima wussten die Vorbesitzer des Vans mal auch gar nix.

Und wie sich rausstellte, wussten die von ein paar mehr Dingen genauso wenig. Uns war der Van nämlich als Vier-Gang verkauft worden. Nun hat Wutgnom die Karre aber zu einer Probefahrt geprügelt und dann auf dem Highway in den … FÜNFTEN GANG geschaltet. FÜNF GÄNGE???
Ja auch das scheinen wir zu haben. Wir sind fast hintenüber gefallen, immerhin hatten wir ja schon knapp 3.000 Kilometer in vier Gängen abgerissen (wenn`s keinen fünften geben soll probiert man das ja auch nicht aus)... Also haben wir das Geschreie von dem Coober Pedy-Mechaniker-Wutgnom glückselig über diese Neuentdeckungen lächelnd über uns ergehen lassen und sind danach in absoluter Hochstimmung zu unserer Wüstentour aufgebrochen. Endlich raus aus Coober Pedy, bald endlich Klima-Anlage und endlich ein fünfter Gang!!!

Montag, 23. Juli 2007

Port Pirie und täglich grüßt das Murmeltier

Licht kurz an, Licht wieder aus, gar nix mehr Licht.
Es war zum Verzweifeln und unser Van innen schon wieder stockdunkel. Kerzenromantik in allen Ehren aber dass sich unser Kühlschrank zeitgleich ja auch immer tot gestellt hat wurde aufgrund der nun immer wärmer werdenden Tage zunehmend zum Problem.

Also mal wieder einen kleinen Boxenstopp – diesmal in Port Pirie, einem wirklich kleinen Nest. Wie bereits zuvor war die Hilfsbereitschaft groß und wir wurden zu einem Autoelektriker gelotst. Das schien und der richtige Mann für den Job und er hat auch tatsächlich den Fehler gefunden. Endlich!
Problem war 1. die alte Zweitbatterie war unterwegs verendet und 2. unser System, das die Batterie während der Fahrt aufladen sollte, war wohl totaler Murks. Schade, aber in diesem Fall waren wir froh endlich die Fehlerquelle angehen zu können. Ne neue Batterie gab`s und ein neues Ladesystem, das auch jedem Schwertransporter mit Vierradantrieb jede Ehre erwiesen hätte. Leider war unser Timing ein bisserl ungünstig, denn der Tag der Fehlerentdeckung war ein Samstag und damit stand akut das Wochenende vor der Werkstatttür (mit drei t!). Wir mussten also bis zum Montag in und um Port Pirie herum die Zeit totschlagen (und da ist neben dem längsten Holzsteg Australiens nebenan in Port Germain mal gar nix). Am Montag wurde der Van allerdings wunderhübsch neu verkabelt und seitdem funktioniert alles ganz wunderbar! Ausserdem wurden wir waehrend der Wartezeit mit filmreifen Sonnenuntergaengen entschaedigt...

Freitag, 20. Juli 2007

Adelaide und der liebe Strom

Licht nach vorne raus (sprich Scheinwerfer) hatten wir ja schon super selbst wieder angeknipst aber im Innenraum war die Elektrizität weiterhin launisch. Mal gab´s Licht, meistens aber nicht - und der Kühlschrank lief sowieso nur wenn er Bock hatte. Warum wir keinen Saft hatten, haben wir abwechselnd auf eine defekte zweite Batterie (die an sich während der Fahrt geladen werden sollte), zu kalt, Wackler in Kabeln/ Sicherungen/ diversen Teilen des Autos oder bloße Boshaftigkeit der Karre geschoben. Aber da wir eigentlich keinen Schimmer hatten woran`s wirklich liegen könnte und was wir also reparieren sollten, beschlossen wir in der Zivilisations-Hochburg Adelaide doch noch einmal ein fachkundigeres Augenpaar wegen unserer Strom-Problematik im Van zu Rate zu ziehen. Nach längerem Suchen (und unter Mithilfe und guten Ortsbeschreibungen der fantastisch freundlichen Australier) haben wir eine Werkstatt gefunden, die sich *hurra* auf Campervans spezialisiert hatte. Die haben dann auch wirklich knapp zwei Stunden kostenlos (!!!) mit zwei Mann unsere zwei Batterien, den Innenraum und den vorhandenen Stromkreis (oder eben auch nicht Kreis!) geprüft und gecheckt. Und das alles um uns dann schlußendlich für 2,50 Dollar fünf kleine Sicherungen zu verkaufen. Das nenn ich mal Customer Relations! Toll sind die Australier wirklich. Und so nett! Und an Hilfsbereitschaft kann denen wirklich keine Nation was vormachen. Na klar haben wir denen noch einen Zwannie fürs Feierabendbier dagelassen – gehört sich doch irgendwie. Aber erwartet hatten die für ihre Mühen keinen Cent. Klasse hier! Mit neuem Selbstbewusstsein nun auch in der Dunkelheit bestehen zu können gings dann endlich wieder Richtung Norden – und somit Richtung Äquator und besserem Wetter!

Donnerstag, 19. Juli 2007

Meningie to Adelaide

Von der ungeplanten Zwischenstation Meningie haben wir heute den Restweg bis Adelaide geschafft. Die Landschaft hat sich inzwischen vom bergigen Buschland und den Eukalyptuswäldern wieder hin zu hügeligen, diesmal quietsch-grünen Wiesen entwickelt. Und überall riesige Weideflächen mit Rindern und Schafen. Also fast ein wenig wie in den Niederlanden. Nur eben mit Kängurus… und viel größer und weitläufiger. Da kann man schon einmal über eine Stunde fahren und es kommt kein einziges Haus auf der gesamten Strecke. Das ist sicherlich schon einmal eine gute Einstimmung auf die Einsamkeit in der Wüste - nur dass es da dann noch trockener sein wird… und mit Kamelen anstelle der Schafe.

In Adelaide haben wir uns in ein wunderbar geräumiges Hostel-Zimmer eingecheckt. Wir wollten dann doch nicht so dreist sein und uns mitten in der Stadt im Van schlafen legen – wildes Campen ist ja total verboten und in der Stadt muss das dann ja nicht sein. Außerdem sind die Temperaturen leider noch immer total im Keller und da tut ein beheiztes Zimmer ab und an ja auch ganz gut.

Adelaide selbst ist ein wenig eigen – an sich ganz hübsch, ganz tolle alte Gebäude zwischendrin (die Uni ist ein optischer Knaller!), nette Cafés und Restaurants aber…die Menschen fehlen. Diese Stadt ist irgendwie total leer, niemand auf der Straße, all die schönen Cafés und Restaurants wie ausgestorben. Vielleicht haben wir die Stadt auch auf dem falschen Fuß, sprich dem fiesesten Wetter, erwischt. Aber mal ganz ehrlich, wo sollen die sich denn alle versteckt haben?

Jedenfalls isses sehr nett hier… wenn auch menschenleer. Und ganz sicher die letzte größere Siedlung vor unserem Trip durch die Wüste.

Mittwoch, 18. Juli 2007

Mount Gambier to Meningie

Zu Beginn des Tages mussten wir unser Autochen ein wenig verarzten. Ein Frontlicht hatte in der Nachtfahrt zuvor schlapp gemacht und aufgrund des fortgeschrittenen Alters unseres Transportmittels war in der Mitte von Nirgendwo an keiner kleinen Dorftankstelle eine passende Glühbirne für das blinde Autoauge zu finden. Mt.Gambier hingegen hatte eine ordentliche Kleinstadtgröße (mit all den Fastfood-Ketten die man in Australien so finden kann) und außerordentlich nette Automechaniker! Bei Ford hatten wir`s zuerst versucht, die hatten so ein altes Glühbirnenmodell zwar auch nicht aber dafür ganz viele gute Tipps für uns und die Info wo wir das passende Teil kaufen könnten. Mit einer Wegbeschreibung bewaffnen haben wir den kleinen Schrottplatz sofort gefunden und ich glaube Maik war glücklich endlich Menschen zu treffen, die genauso begeistert an alten Autoaugen rumtüfteln wie er selbst – meine Euphorie und besonders die Ausdauer bei Problemen technischer Art halten sich ja leider eher in Grenzen…deutlicher gesagt: vollkommen unnütz bin ich dann! Nicht so die Schrottplatz-Menschen! Dort haben wir weitere wirklich sehr nette Mechaniker getroffen, die uns nicht nur mit der seltenen Glühbirne sondern auch mit unserem Öl (da fehlt uns noch ein Einfüllstutzen) und unserer zweiten Autobatterie geholfen haben (die war nämlich über die 3 Wochen Samoa-Rumstehen leergelaufen? Zumindest war kein Saft mehr drauf und die haben`se kostenlos wieder aufgeladen).

In Mt. Gambier gibt es einen Kratersee, den Blue Lake, der dem Namen entsprechend, wundersam Blau aussehen soll. Hat er leider nicht so ganz aber trotzdem war`s ein wunderschöner Platz an dem wir unseren Frühstücks-Kaffee in der aufsteigenden Sonne genießen konnten.

Danach sind wir zu einem Sinkhole (einem großen Loch, Krater, irgendsowas, groß eben und tief!) gefahren. In dem Sinkhole hatten die Mt.Gambianer einen kleinen tropischen Garten – natürlich auch mit der obligatorischen Grill-Station - angelegt. Superschön! Und in den Steilwänden ringsherum, von denen die Ranken wie Vorhänge herunter hingen, hatten wilde Bienen ihr Zuhause gefunden und große, freischwebende Waben an den Fels geklebt.

Das Sinkhole war uns noch nicht tief genug, darum gings danach 20m tief und 120m in den Fels hinein zu den Margaret Rose Caves, einer Tropfsteinhöhle, die etwas weiter außerhalb von Mt.Gambier lag.
Auf dem Weg dorthin haben uns viele, viele riesige Kängurus vom Straßenrand, dem Wald oder den Wiesen aus angeschaut. Todsicherer Touri-Tipp wennde Kängurus sehen willst: Einfach mal auf ne Landstrasse in South Australia abbiegen! Und neben dem gemütlichen Kokaboora gibt`s da auch noch viele, drollige, winzige Puschelvögel…

An diesem Tag haben wir gelernt, dass die Känguru-Warnschilder an der Straße wohl doch nicht aufgestellt sind um die Touristen zu erfreuen sondern – oh Wunder – um vor den Hoppeltierchen zu warnen, die dort in Herden neben der Straße und leider auch auf der Straße unterwegs sind. Und wir reden hier nicht von den kleinen zierlichen Hüpfern, die auch einmal in einem Gehege im Bremer Bürgerpark gewohnt haben. Nein, hier haben die mal ne ganz andere, mannshohe Größe. Diese Südaustralischen Muskelpakete möchte man allein wegen ihrer stattlichen Erscheinung nicht gerne überfahren… geht bestimmt auch gar nicht so ohne weiteres - und ob Auto oder Hüppler da besser bei wegkommen würden möchten wir gar nicht erst ausprobieren. Selbst der Bullbar an unserem Van scheint die großen Viecher nur unzureichend von uns abzuschirmen.
Wegen dieses nächtlichen Känguru-Alarms (sind nachtaktiv) waren wir also gezwungen unsere Fahrtgeschwindigkeit von rasenden 90 km/h auf reaktionsschnellere 50 km/h zu drosseln und hatten dennoch zuerst ein gutes Gefühl die Strecke bis nach Adelaide in der Nacht noch zu reißen.

Als dann allerdings auch noch ein Hirsch aus dem Australischen Busch auf die Straße hervorgeschossen kam, dann verwirrt in unserem Scheinwerferkegel stehen blieb und uns damit zu einer Vollbremsung gezwungen hat, war es uns Zeichen genug. Der nächste Anflug von Zivilisation (in diesem Fall zehn Häuser +eine Tanke) wurde als Nachtlager auserkoren und die Kängurus (und Hirsche) hatten erst einmal ihre Ruhe vor uns.